Wir sind als Verein und Genossenschaft mit aktuell etwa 20 ehrenamtlichen und 25 angestellten MitarbeiterInnen organisiert. Unsere Organisationsstruktur und internen Leitlinen haben wir in einer kleinen „Verfassung“ festgehalten, die Euch zeigt, wie der Berliner Büchertisch  funktioniert und zusammenarbeitet:

Verein und Genossenschaft

Am Anfang war der Verein… Der Verein ist das Dach für alles rund um Leseförderung und das Bücherverschenken. Die Leseförderung ist das Herzstück des Büchertischs. Ohne Verein deshalb auch keine Genossenschaft. Der Verein wird geleitet von einem aktuell vierköpfigen Vorstand (Bianca, Cornelia, Franzi, Mike), wobei zwei Vorstände (Cornelia, Mike) auch Vorstände in der Genossenschaft sind. Diese Überlappung ist gewollt, denn Verein und Genossenschaft gehören untrennbar zusammen. Die Genossenschaft widmet sich dem Buchverkauf. Als Genossenschaftsmitglieder werden wir von ArbeitnehmerInnen zu UnternehmerInnen: die Genossenschaft „gehört“ jedem Mitglied. Mitglied in Verein und/oder Genossenschaft können ehrenamtliche und angestellte MitarbeiterInnen werden, die mindestens seit einem Jahr am Büchertisch aktiv sind.

Vorstand und Aufsichtsrat in der Genossenschaft

Der Genossenschaftsvorstand besteht aus angestellten MitarbeiterInnen und wird von den Mitgliedern gewählt. Der Vorstand ist verantwortlich für die Geschäftsführung. Aktuell besteht der Vorstand aus Cornelia, Mike und Sabrina. Dabei hat Cornelia das Toolkit für Organisationsentwicklung und den Blick fürs große Ganze, Mike natürliche Autorität und kaufmännische Erfahrung und Sabrina die Ladenkompetenz und jugendlichen Esprit. Seit Gründung der Genossenschaft 2013 hatte der Vorstand verschiedene Zusammensetzungen. In Zeiten absoluter Krise hatten wir sogar 7 Vorstandsmitglieder. Der Aufsichtsrat besteht aus ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, aktuell André, Christa und Elke, und wird ebenfalls von den Mitgliedern gewählt. Seine Aufgabe ist die rechtlich vorgesehene Kontrolle des Vorstandes.

Zusammenarbeit

Wir wollen kreativ, wertschätzend und unbürokratisch miteinander arbeiten. Wir vertrauen einander. Nach dem Prinzip Good Enough for Now and Safe Enough to Try sind uns imperfekte, manchmal auch improvisierte Lösungsansätze, die mit vorhandenen Ressourcen arbeiten und realistisch umsetzbar sind, lieber als perfekte, aufwendig konzipierte Schubladenkopfgeburten, die zum Zeitpunkt der möglichen Umsetzung schon wieder an Aktualität verloren haben. Dabei sehen wir auch Scheitern und Fehler als etwas Positives, weil und wenn wir als Team daraus lernen und daran wachsen.

Entscheidungen

Entscheidungen werden von und mit den von der Entscheidung Betroffenen gefällt. Dabei fällen wir die Entscheidungen kompetenz- und beratungsbasiert, d.h. Menschen, die im jeweiligen Bereich kompetent sind, beraten sich mit den von der Entscheidung Betroffenen. Dabei wird nach Möglichkeit versucht, Lösungen zu finden, die allen Beteiligten gerecht werden. Entscheidungen über neue Projekte oder Änderungen im Organisationsablauf werden in der Teamsitzung getroffen. Jede/r Mitwirkende, unabhängig davon ob Ehrenamtlicher, Angestellte oder Praktikantin, kann Verbesserungsvorschläge oder neue Projektideen auf der Teamsitzung einbringen, nachdem sie/er sich zuvor mit KollegInnen mit der dafür nötigen Kompetenz beraten hat.
Der gewählte Vorstand entscheidet über langfristige Strategie, die Neueinstellung sowie die etwaige Entlassung von MitarbeiterInnen (in Absprache mit den betroffenen Teams) und in Konfliktfällen bzw. falls anders keine Entscheidung zustande kommt.

Sich ausprobieren und wachsen

Bei uns arbeiten Menschen, keine Stellenbesetzungen. Für die Frage, wer welche Aufgaben erledigt, sind weniger Lebensläufe und Zertifikate als Persönlichkeit, das passende Mindset, Kompetenzen und Zukunftspläne entscheidend.
Lebensumstände und Belastbarkeiten ändern sich. Uns ist eine flexible, an die jeweilige Lebenssituation angepasste Arbeitszeitgestaltung wichtig. Entsprechend ist es möglich, Stunden zu reduzieren oder zu erhöhen, eine Auszeit zu nehmen, mehr oder weniger Verantwortung zu übernehmen und von einem Bereich in einen anderen zu wechseln. Ehemalige Vorstandmitglieder arbeiten heute wieder ohne Vorstandsrolle im Team. Viele Teammitglieder arbeiten in unterschiedlichen Bereichen mit oder haben das getan. Manche „Ausflüge“ in einen anderen Arbeitsbereich wurden auch wieder rückgängig gemacht – es ist keine Schande, eigene Grenzen einzugestehen. Das Ausprobieren und Einbringen eigener Interessen im Rahmen dessen, was das Budget und die Struktur des Büchertischs hergibt, ist eines der Fundamente des Büchertischs.

Konflikte

Unser Team besteht aus sehr unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Erwerbsbiografien, Lebenserfahrungen und Charakteren.
Bei Konflikten und Meinungsverschiedenheiten versuchen wir gemäß der Harvard-Methode immer zunächst herauszufinden, was die jeweiligen Interessen sind, nicht die jeweiligen Positionen. Ziel ist es, eine konstruktive Einigung zu finden, also keinen Kompromiss, der für beide Seiten nicht optimal ist, sondern eine Win-Win-Situation. Dabei geht es also nicht um „Entweder-oder“-Debatten, sondern um „sowohl-als-auch“-Lösungen, die die Interessen beider Parteien berücksichtigen. Hauptziel ist immer, trotz ggf. unterschiedlicher Interessen eine positive Beziehung beizubehalten. Deshalb sehen wir in allen Konfliktfällen (z.B. im Fall von Meinungsverschiedenheiten, Kritik an Arbeitsqualität oder Entscheidungen) das direkte Gespräch mit dem Konfliktpartner so zeitnah wie möglich als entscheidend an. Sofern dieses nicht weiterhilft, ziehen wir ein Teammitglied als Beraterin/Berater hinzu, um gemeinsam zu überlegen, wie mit dem Konflikt umgegangen werden kann. Sofern auch das keine Lösung bringt, kann ggf. ein externer Mediator hinzugezogen werden.

Ehrenamt

Der Büchertisch wäre ohne die vielen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen undenkbar und nicht überlebensfähig. Die vielen Stunden ehrenamtlicher Mitarbeit ermöglichen unsere Arbeit erst. Auch die meisten angestellten Teammitglieder haben sich vor oder während ihrer Anstellung ehrenamtlich im Verein engagiert – teilweise über viele Jahre hinweg. Selbst unsere Genossenschaftsgeschäftsführung wurde vom Vorstand viele Jahre ehrenamtlich geleistet. Es gibt im Rahmen unserer Leseförderung oder sonstigen Vereinstätigkeit immer wieder Dinge, die zusätzliches Engagement benötigen. Wir freuen uns über und sind dankbar für die Menschen, die ihre Zeit, Energie und Kompetenzen dafür einbringen!