Ein Beitrag unserer Ehrenamtlichen Julia Morschett, die  seit 2016 unser Projekt Berliner Büchertaube koordiniert. Die „Berliner Büchertaube“ ist ein Lesestipendium für sozial benachteiligte GrundschülerInnen in Berliner Randbezirken. Diese bekommen ein Jahr lang monatlich ein Buch als Geschenk nach Hause geschickt.

Wenn ich samstags früh die Tür zu unseren Büro- und Lagerräumen aufschließe und die von Büchern staubige Luft atme, fängt in meinem Kopf eine Liste an sich aufzurollen. Wenn ich die Treppe zum Leseförderungsbereich hoch gehe – zwischen raumhohen Metallregalen entlang, hier mal ein Licht an, da in das Postfach geschaut – durchlaufe ich bereits die Arbeitsschritte, die es braucht, um an diesem Tag noch 30 kleine Päckchen für die Berliner Büchertaube versandfertig zu machen.

Das ist aber eigentlich schon vorgegriffen, denn die Büchertaube hat eine ganze Weile gebraucht, um bis zu diesem Schritt des „zum Abflug fertig Werdens“ zu kommen. Vor mir haben viele andere Hände und Köpfe mitgewirkt.

Wie schlüpft eigentlich so ein Projekt? Na klar, am Anfang steht eine Idee – und Engagement natürlich. Ich hatte 2016 das Glück, bei der Konzipierung und Verstetigung der Berliner Büchertaube von den reichhaltigen Erfahrungen des Teams der Leseförderung des Berliner Büchertisches profitieren zu können. Der Berliner Büchertisch konnte damals schon auf ein vielfältiges Angebot von Förderungsprojekten verweisen, aus deren eigener Durchführungsphase sich Vieles für die Büchertaube herausziehen ließ. Kontakte zu Schulen und Lehrer*innen, über die wir unsere Zielgruppe erreichen wollten, bestanden bereits und warteten nur darauf, ausgebaut zu werden. Eine talentierte Kollegin war schnell an der Hand, um das Logo der Büchertaube zu entwerfen – so wie sie es schon für unseren Lesetroll getan hatte. Auch zu Verlagen, von denen wir uns immer mal wieder Bücherspenden aus deren neuestem Sortiment erhofften, lag ein guter Draht.

Ich konnte mich also, wenn man so will, in ein bereits gemachtes Nest setzen.

Die Idee von Anfang an: Wir wollen Kinder und Jugendliche in den Randbezirken Berlins erreichen, die genau aufgrund dieser geographischen Lage häufig von unseren anderen Leseförderungsprojekten ausgeschlossen waren und durch ihren sozio-ökonomischen Hintergrund noch Leseförderungs-potenzial haben. Aber die natürliche Skepsis von Eltern (Bücher? Geschenkt? Ein ganzes Jahr lang jeden Monat eines? Wo ist der Haken?) zu überwinden – das braucht auch heute, nach vier Jahren in denen wir die Büchertaube fliegen lassen, immer wieder mehrere Anläufe und Überzeugungsarbeit. Also die Werbetrommel gerührt und uns als seriöses Förderungsprojekt erklärt: In einer lokalen Zeitung, dem hauseigenen Blog und mit vielen Briefen an Schulen und Eltern.

Wenn ich also samstags früh die Tür zu den Büro- und Lagerräumen aufschließe, staubige Bücherluft atme, die Treppe hoch laufe, meine To-Do-Liste aufrolle und anfange Bücher für Kinder auszusuchen, die sich hoffentlich schon mit brennender Neugierde auf den nächsten Büchertaubenflug freuen – dann ist eigentlich der Großteil der Arbeit schon getan. Da muss ich selbst nur noch Spaß an der Sache haben und überzeugt sein von dem, was wir tun.

Grundschullehrerinnen und -lehrer in Berliner Randbezirken, die gern Kinder für unser Lesestipendium „Berliner Büchertaube“ vorschlagen wollen, können sich gern unter Lesefoerderung@buechertisch.org melden!

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