Eine Rezension unserer Kundin Maja:

wagner_unlandUnland ist erst einmal ein Wort, das holpert. „Was liest du denn da?“ „Unland.“ „Umland? Welches Umland denn?“

Auf das Buch stieß ich zufällig, als meine Verabredung zu spät kam, fast eine Stunde, und ich am Hackeschen Markt im Buchladen saß, was neues von Steinhöfel auf dem Schoß und Antje Wagners Unland. Dabei blieb ich hängen, ganz banal erst einmal deshalb, weil in keinem Buch sonst der Zug in „Zahna“ hält, einem kleinen, hässlichen Kaff in Sachsen-Anhalt. Und doch war ich gebannt.

Irgendeine Rezension zu Unland hatte von Wagners schnellem Erzählstil gesprochen, der sich nun, bei der eigenen Lektüre, wiederfand und mich das Buch nicht aus der Hand legen ließ.
Franka, die Hauptfigur, ist gleich sympathisch, man folgt ihr, stellt ihre Fragen mit, wundert sich, und findet Gefallen an den neuen Freunden, die sie langsam kennenlernt, in dem Kaff in Sachsen-Anhalt, in dem sie irgendwie fast ausgesetzt wird. Sie ist die Neue, und durchlebt, was „die Neue“ vielerorts so durchlebt, zumal Franka auch noch blöde aussieht, fast lesbisch. So zumindest nehmen die anderen Kids sie wahr. Franka und die neuen Freunde, die Kinder im „Haus Eulenruh“, einer Art Villa Kunterbunt, werden wegen vielerlei Dingen gehänselt, Worte treffen sie und Steine. Aber Franka kämpft, und man fühlt dabei zwar ihre Wut, auch ihre Verzweiflung, aber sie ist nicht einnehmend oder lähmend. Wagner holt uns gleich wieder raus aus den typischen „Problembüchern“, die sonst so oft für Jugendliche geschrieben werden. Unland jedoch kippt.

Da sind die Kids und die Probleme, da ist das Sich-Suchen im eigenen Körper, da ist das erste Verliebtsein. Und ganz „nebenbei“ serviert uns Wagner auch etwas, das abseits liegt vom heteronormativen Story-Menü: Erstes lesbisches Verliebtsein platziert Wagner im Buch wie eine Selbstverständlichkeit, es ist nicht das große Thema, an dem immer noch die Aura vom Unnormalen klebt, es ist eine schön erzählte Beiläufigkeit.

Das große Thema des Buches ist ein anderes, und wie gesagt: Das Buch kippt. Keinesfalls zum Negativen, sondern es löst sich aus den einfachen Jugendbüchern heraus, es problematisiert nicht einfach, sondern wird auf subtile Art tatsächlich zum Thriller. Und ganz am Schluss – ja, in meiner Rezension fehlt ein wenig Inhalt, aber ich will auch den Plot nicht vorweg nehmen – am Schluss also ist Unland nicht nur ein Jugendbuch, das zum Thriller herangewachsen ist. Nein, vielmehr sind wir am Ende auch irgendwie in Sophies Welt angekommen, weil nicht mehr klar ist, wer diese Franka eigentlich ist. Ist sie tatsächlich noch sie selbst, oder imitiert sie sich? Soll der zum Bösen mutierte Klon getötet werden, auch wenn gar nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden kann, wer Original ist, und wer Klon? Wer soll erschossen werden?

All diese Fragen stellt das Buch und da ist nichts mehr, das holpert. Wagner erzählt schnell, und es ist eines der Bücher, die man zwar schnell lesen kann, von denen man aber nicht will, dass sie enden. Ich selbst habe Unland irgendwo im Umland gelesen, in einer alten Jugendherberge mit 100 Zimmern, die ganze Nacht hindurch. Und am Ende war die alte Herberge im Umland für mich so schauerlich wie für Franka „Unland“. Ein packendes Jugendbuch, und eben: Viel mehr als das.

Dieses Buch ist im Onlineshop und in unseren Läden bestellbar. Mit deiner Bestellung bei uns förderst du unsere Arbeit als soziales und integratives Unternehmen und unterstützt uns bei der aktiven Leseförderung durch Projekte wie den Berliner Lesetroll.

Titel: Unland
Autor: Antje Wagner
Verlag: Bloomsbury. Kinder- und Jugendbuch
Genre: Kinder- und Jugendbuch
ISBN: 9783833350528
Preis: 9,95 Euro

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