Eine Rezension unserer Kundin Josephin:

Habila-gr_gerEin junger Journalist, ein gescheiterter Starreporter, eine von Rebellen entführte Britin, die Frau eines Mitarbeiters einer internationalen Ölgesellschaft und eine Reise tief in die ölverseuchten Mangrovensümpfe des Nigerdeltas: Helon Habilas neues Buch Öl auf Wasser ist Abenteuerroman und Umweltkrimi zugleich. Ein spannendes und auch aufrüttelndes Buch.

Rufus soll für seine Zeitung eine entführte Geisel ausfindig machen und interviewen, begleitet wird er dabei von dem berühmten Zaq, sein einstiges Idol, jetzt todkrank und dem Alkohol verfallen. Was sie finden sind verwüstete und verlassene Dörfer, vergiftete Flüsse, tote Fische, verzweifelte Menschen auf der Flucht vor der Umweltverschmutzung und vor Rebellen. Eine ölverschmierte, dem Untergang geweihte Umwelt, in der Habgier und das Gesetz der Waffe regieren. Im Hintergrund die immerfort brennenden Gasfackeln der Ölquellen.

Habila beschreibt diese Welt eindringlich, mitunter fast poetisch. Er versteht es, den Leser mitzunehmen, in der Tradition von Joseph Conrad, in die schwüle Hitze der Mangroven, hin zu Moskitoschwärmen und Denguefieber, aber auch in eine wundersame, traditionsverbundene Welt. Habila jongliert geschickt mit unterschiedlichen Zeitebenen, lässt Rufus zurückblicken auf seine Kindheit, auf sein Leben, und sorgt für Spannung, indem er den den Leser an der langen Leine lässt. Erst nach und nach erfährt der Leser, was eigentlich geschehen ist.

Dabei erzählt Habila nicht nur ein Abenteuer. Sein Buch ist ein stiller Vorwurf. Fast unmerklich zieht er den Leser hinab in die Abgründe des Elends, das der Fluch des Schwarzen Goldes für die Menschen in Nigeria mit sich bringt. Wie nebenbei berichtet er von der Ausbeutung der Menschen, wie ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird, ohne angemessene Entschädigung, während Fremde in ihrem Land und auf ihre Kosten Milliarden scheffeln. Habila erzählt von einer seit Jahren andauernden Umweltkatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes und von der Absurdität des Medienrummels um eine Entführung der Frau eines hochrangigen Mitarbeiters einer internationalen Ölgesellschaft, während in den Sümpfen Tausende an den Folgen der Ölförderung sterben, ohne dass irgendwer daran Anstoß nimmt.

Habilas Roman ist nicht zuletzt ein hervorragend recherchierter Tatsachenbericht. Was er in seinem Buch beschreibt, das sind keine Phantasiegespinste, das ist bittere Realität in Nigeria, einem der ärmsten Länder der Welt, dessen Ölvorräte ohne Rücksicht auf Verluste durch ausländische Firmen ausgebeutet werden. Er gibt den Menschen im Nigerdelta und ihrem Leiden eine Stimme und ein Gesicht. Gerade diese Authentizität ist es, die das Buch so lesenwert macht.

Dieses Buch ist im Onlineshop und in unseren Läden bestellbar. Mit deiner Bestellung bei uns förderst du unsere Arbeit als soziales und integratives Unternehmen und unterstützt uns bei der aktiven Leseförderung durch Projekte wie den Berliner Lesetroll.

Titel: Öl auf Wasser
Autor: Helon Habila
Übersetzer:
Thomas Brückner

Verlag: Wunderhorn
Genre: Belletristik
ISBN: 9783884233917
Preis: 24,80 Euro

 

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