Joseph Roth in Berlin

13. September 2017 | Von | Kategorie: Aktuelles, Berliner AutorInnen, Berliner AutorInnen
Joseph Roth 1926

Joseph Roth 1926

Als Marlene Dietrich 1936 nach ihrem Lieblingsbuch gefragt wird, nennt sie den Roman „Hiob“ von Joseph Roth, welcher 1930 erschien. Zwei Jahre später wird sein Werk „Radetzkymarsch“ veröffentlicht – für den bekannten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki eines der 20 bedeutendsten Bücher, die in deutscher Sprache verfasst wurden. Doch Joseph Roth war auch ein sehr produktiver Journalist, der sich in Berlin einen Namen machte.

Joseph Roth wird 1984 in der galizischen Stadt Brody geboren. Nach seinem Abitur studiert er zunächst an der Universität Lemberg Germanistik, die er verlässt, um in Wien weiter zu studieren. Roth beendet sein Studium jedoch nicht und bleibt als Journalist in Wien.

Mit 26 verlässt Joseph Roth die österreichische Stadt und zieht im Juni 1920 nach Berlin. Der junge Journalist sieht in Wien vorerst keine Chance seine Karriere voranzubringen. 1920 werden in Berlin rund 20 Tageszeitungen gedruckt und verkauft. Außerdem befinden sich hier die bekannten Verlage Ullstein, Mosse und Scherl.

Insgesamt wird Roth fünf Jahre in dieser Stadt verbringen. Wilhelm von Sternberg beschreibt in seiner Biographie über Joseph Roth, dass der Journalist und Autor trotz beruflicher Erfolge immer einer Fremder in Berlin gewesen ist und diese Stadt auch nie zu lieben gelernt hat.  Diese Aussage des Biographen über Joseph Roth ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich hat Joseph Roth über sich selbst einmal geäußert: „Ich habe keine Heimat, wenn ich von der Tatsache absehe, daß ich in mir selbst zu Hause bin und mich bei mir heimisch fühle.“[1] So wird Roth während seines Aufenthalts in Berlin die meiste Zeit über keinen festen Wohnsitz haben und im Hotel am Zoo, Kurfürstendamm 25 absteigen.

Zu seinen wichtigsten Arbeitgebern gehören die „Neue Berliner Zeitung – 12 Uhr Blatt“, der „Berliner Börsen-Courier“ und „Vorwärts“.

Seine ersten Artikel schreibt er für Zeilenhonorare. Am 30. Juni 1920 erscheint sein erster Artikel für die „Neue Berliner Zeitung“, der von einem Chiromanten handelt. Ein Apparat, der „gegen Münzeinwurf ein Papier auswirft, das die Zukunft voraussagt“.[2]

Er schrieb unter anderem auch  Filmbesprechungen, berichtete von Berliner Waisenkindern und Flüchtlingen aus dem Osten.

Für die „Neue Berliner Zeitung“ verfasste Roth insgesamt 170 Beiträge. Im Juli 1920 von der NBZ nach Polen geschickt, um über den polnisch-russischen Krieg zu berichten.  Er ist zwei Wochen unterwegs und verfasst 10 Artikel.

Ein Jahr darauf muss Joseph Roth von seiner Mutter Abschied nehmen, welche an Krebs stirbt. Im März heiratet der Journalist seine Verlobte Friederike Reichler, die nicht die ganze Zeit über bei Roth in Berlin gelebt hat. Nach der Heirat zieht er jedoch mit Friederike für einige Wochen in eine gemeinsame Wohnung nach Schöneberg in die Potsdamer Straße 75.

Im Sommer 1922 erhält Roth zwei neue Auftraggeber. Am 22. Juni erscheint sein erster Artikel für die „Frankfurter Zeitung“, während er einen Monat später zum ersten Mal für „Vorwärts“ schreibt.

Am 6. Februar 1921 war Roths erster Artikel für den „Berliner Börsen-Courier“erschienen. Nach knapp anderthalb Jahren jedoch kündigt er dort jedoch, da er andere Gehaltsvorstellungen hat und genügend Wertschätzung für seine Arbeit vermisst. Im Oktober erhält Roth einen größeren Auftrag von der NBZ. Er ist für zehn Tage in Leipzig, um über den Prozess über die Ermordung des deutschen Außenministers Walther Rathenau zu berichten, welcher von der rechtsradikalen Organisation „Consul“ ermordet worden war.

Roth schrieb seine Artikel gerne in Gesellschaft. Im „Romanischen Café“, in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, verfasste er seine Beiträge für die Zeitungen und auch seine ersten Romane entstanden dort. Zu Roths Lieblingslokalen gehörte unter anderem die Konditorei Schneider an der Ecke Kurfürstendamm/Schlüterstraße. Dort hat Roth unter anderem die Zeit mit dem ungarischen Filmregisseur und Drehbuchautor Géza von Cziffra verbracht, welcher davon berichtet, dass Joseph Roth am liebsten über Galizien gesprochen hat. Laut Bruno Frei, einem Journalisten, hat Roth in einer Konditorei in der Potsdamer Straße an seinem ersten Roman mit dem Titel „Das Spinnennetz“ geschrieben haben. Am Abend ging Roth gerne in die Mampestuben, Ecke Kurfürstendamm/ Joachimsthaler Straße.

Im Juni 1923 beschließen Roth und seine Frau die Stadt aufgrund der politischen Lage zu verlassen und kehren nach Wien zurück. Gegen Ende des Jahres sind sie allerdings wieder in Berlin.

Roths Karriere nimmt an Fahrt auf, als er 1924 Redakteur und Autor für die „Frankfurter Zeitung“ wird. Es ist eine der bedeutendsten Tageszeitungen während der Weimarer Republik. So wird sein Prosatext „Hotel Savoy“ in der “FZ“ als Fortsetzungsroman von Februar bis März abgedruckt. Die Zeitung „Vorwärts“ druckt hingegen Roths Roman „Die Rebellion“ als Fortsetzungsgeschichte ab, welche von Juli bis August erscheint.

Im November wird Joseph Roth von der „Frankfurter Zeitung“ nach Galizien geschickt.

Bei seiner Reise durch deutsche Provinzen im Jahr 1925 lassen sich die Anfänge einer neuen beruflichen Perspektive für Roth als Reisereporter bereits erahnen.

In diesem Jahr verändert sich auch Roths Wohnort. Die „Frankfurter Zeitung“ schickt ihn als Sonderberichterstatter nach Frankreich. Im Mai ist er mit seiner Frau Friederike zum ersten Mal in Paris. Für die „Frankfurter Zeitung“ arbeitet er nun als Korrespondent in der französischen Stadt. Während seiner Zeit in Berlin hat Joseph Roth um die 600 Artikel verfasst.

Wer auf Joseph Roths Spuren in Berlin wandeln möchte, sollte sich das Buch „Joseph Roth in Berlin: Ein Lesebuch für Spaziergänger“ ansehen (Verlag Kiepenheuer & Witsch, erschienen Januar 2010). In unserem Onlineshop findet Ihr gerade auch eine 4-bändige Werkausgabe.

 

[1] Wilhelm von Sternberg: Joseph Roth. Eine Biographie. Köln 2009, S. 20.

[2] ebd., S. 249.

Text: Claudia Mietkiewicz

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